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Freitag, 30.04.2010

Final Four in Riesa: Vier Mannschaften, ein Ziel

Vier Mannschaften, ein Ziel: Der Gewinn des DHB-Pokals. "Leverkusen, Frankfurt, Buxtehude und wir – alle können Pokalsieger werden. Und wir reisen nicht nach Riesa, um dort das Teilnehmerfeld zu vervollständigen", gibt Blombergs Trainer André Fuhr offensiv die Marschrichtung vor - stellvertretend auch für die drei Konkurrenten. Die Ausgangslage scheint dabei ausgeglichen wie lange nicht mehr, Leverkusen scheint als Vizemeister und Ligazweiter als leichter Favorit. Interessant sind dabei die "Überkreuzduelle": Leverkusen schaltete Frankfurt denkbar knapp dank der mehr erzielten Auswärtstore im Viertelfinale der Meisterschaft aus, Blomberg setzte sich ebenfalls knapp gegen Buxtehude durch. Neuauflagen der Spiele könnte es im Finale geben, die Halbfinals in Riesa lauten: Leverkusen gegen Buxtehude und Blomberg gegen Frankfurt/Oder.

Die Lipperinnen sind die einzige Mannschaft, die auch im letzten Jahr das Ticket für die Pokalendrunde gebucht hatten. "Vierter und Dritter waren wir. Wir haben uns im Pokal stetig verbessert, und das wollen wir in diesem Jahr fortsetzen", erklärte ProVital-Manager Harald Wallbaum im Rückblick auf die vergangenen beiden Spielzeiten. Ausgerechnet die jetzige ProVital-Regisseurin Kerstin Wohlbold hatte im Vorjahr noch die Endspielträume ihrer jetzigen Weggefährten verhindert. Die Spielmacherin ist jedoch nicht die einzige Vorjahresfinalistin, die erneut an der Endrunde teilnimmt. Auch Katrin Engel (Leverkusen) und Jana Krause (Buxtehude), Wohlbolds ehemalige Weggefährtinnen aus Nürnberg, haben sich mit ihren neuen Vereinen für die Endrunde qualifiziert und wollen zum Titel greifen.

Die bisherigen Hürden für Blomberg hießen VfL Stade (35:17), Thüringer HC (27:23) und Titelverteidiger VfL Oldenburg (32:27). Im Halbfinale wartet nun zunächst der FHC Frankfurt/Oder. Die Brandenburgerinnen räumten Magdeburg (33:23), Sindelfingen (35:23) und Nellingen (40:31) aus dem Weg. Die beiden bisherigen Vergleiche in der Liga zwischen diesen beiden Mannschaften waren heiß umkämpft. Siegte Blomberg in der Hinrunde noch in der Oderstadt knapp mit 22:21, so entschied der FHC das Spiel im Lipperland mit 26:24 für sich. Der dritte Vergleich findet in Riesa nun auf neutralem Boden statt – die Favoritenrolle ist dementsprechend unklar.

Trainer Dietmar Schmidt war stolz auf seine Spielerinnen, die im Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft Bayer Leverkusen an den Rand einer Niederlage brachten und am Ende nur aufgrund der Auswärtstoreregel ausschieden. "Wir haben gegen Blomberg immer gute Spiele gemacht", blickt der Olympiasieger von 1980 auf das Wochenende voraus und hofft am Sonntag im Finale gegen Leverkusen erfolgreich Revanche für das Aus in der Meisterschaft nehmen zu können. "Vielleicht ist dann das eine Tor mehr auf unserer Seite", so Schmidt, der allerdings auf Außenspielerin Mandy Hering verzichten muss. Die Nationalspielerin erlitt in Leverkusen einen Kreuzbandriss und droht sechs Monate auszufallen. Hering ist eine wichtige Säule im Team des FHC, in dem Franziska Mietzner in Pokal und Liga bislang die meisten Treffer erzielte.

Im zweiten Halbfinale treffen der Buxtehuder SV und Bayer Leverkusen aufeinander. Die "Elfen" aus Leverkusen erreichten zuletzt 2008 die Endrunde und wurden damals Dritter, Buxtehude stand ein Jahr zuvor bei seiner letzten Endrunde im Endspiel. Mit 52:9 gelang dem BSV in der ersten Runde in Steinhagen dabei ein außergewöhnlicher Kantersieg, Erfolge gegen den Zweitligisten Union Halle-Neustadt (33:19) und die DJK/MJC Trier (25:22) folgten auf dem Weg nach Riesa. Mit Rechtsaußen Maxi Hayn (15/2) muss Dirk Leun wegen eines Kreuzbandrisses allerdings auf eine seiner bisherigen Toptorjägerinnen im Pokal verzichten. Besser war im bisherigen Wettbewerb lediglich Linksaußen Lone Fischer mit 21 Toren.

"Wir werden mit gleichem Einsatz spielen und Leverkusen Paroli bieten", sagte Buxtehudes Trainer Dirk Leun mit Blick auf die Pokalendrunde in Riesa, nachdem der BSV am Mittwoch Abend mit einer engagierten Leistung gegen Metalurg Skopje ins Finale des Challenge Cups eingezogen waren. Die Personalsituation wird jedoch immer angespannter, denn nach Maxi Hayn, Svenja Spriestersbach (Kreuzbandriss) und Christine Vogt (Schulter) wird nun vermutlich auch Nationalspielerin Isabell Klein (Beckenprellung) ausfallen. "Es hilft nichts zu jammern, wir gehen nun noch mehr als Außenseiter in das Spiel gegen Leverkusen. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, das es in Riesa immer möglich ist, Überraschungen zu schaffen", so Leun angesichts des "Rumpfkaders".

Im Blick hat der Trainer des Buxtehuder SV dabei sicherlich das Jahr 2001, als er als Trainer des TV Mainzlar im Finale des Pokals auf Bayer Leverkusen traf, eben jenen Gegner, der nun im Halbfinale wartet. 45:44 hieß es am Ende eines denkwürdigen Spiels, bei dem selbst das Siebenmeterwerfen in die Verlängerung musste und in dem Monika Ludmilova unglaubliche 27 Treffer erzielte. Enge Spiele gab es für Vizemeister Leverkusen aber auch in der jüngsten Vergangenheit. Im Europapokal wurde denkbar knapp der Einzug in das Finale verpasst, dafür brachten die mehr erzielten Auswärtstore im Duell mit dem FHC Frankfurt/Oder den Einzug in das Halbfinale der Meisterschaft. "Wir gehen morgen erst mal in Ruhe Spaghetti-Eis essen", gab Renate Wolf nach dem Krimi einen Einblick in die weitere Trainingsplanung.

Die Regeneration wird ein wichtiger Faktor sein, nicht nur für Leverkusen, auch für Buxtehude. Während der BSV verletzungsbedingte Rückschläge einstecken musste, hat Leverkusen den Vorteil, die Last auf mehrere Schultern verteilen zu können. Ein Beispiel gibt der Blick auf die diesjährige Torschützenliste im Pokal: Mit sechzehn Toren ist Denisa Glankovicova die beste Werferin, dahinter folgen mit Heike Ahlgrimm, Anne Müller und Anna Loerper drei weitere Spielerinnen mit mehr als zwölf Toren. In der Liga ein anderes Bild, dort führen Laura Steinbach und Katrin Engel die mannschaftsinterne Torschützenliste an. Der Pokalwettbewerb bringt Leverkusen dabei bereits zum dritten Mal nach Sachsen: Neben dem Achtelfinalerfolg beim Nordmeister SGH Rosengarten (36:18) siegte man auch beim BSV Sachsen Zwickau (35:29) und dem HC Leipzig (26:23) im diesjährigen Wettbewerb. "Buxtehude hat eine ähnliche Spielanlage wie wir. Das liegt uns", hofft Renate Wolf unterdessen auf einen weiteren Sieg und einen weiteren Finaleinzug, es wäre bereits der fünfzehnte.

Bei den bisher vierzehn Teilnahmen trugen die Leverkusenerinnen dabei achtmal Titel und Pokal davon. Mit drei Endspielteilnahmen kann Buxtehude aufwarten, Frankfurt/Oder hat den Pokalsieg 2003 und den Finaleinzug 2004 im Briefkopf. Für Blomberg wäre das Finale im Pokal hingegen eine Premiere, im dritten Halbfinale in Folge soll gegen den FHC Frankfurt/Oder am Samstag ab 15 Uhr der nächste Schritt gelingen. Ab 17 Uhr stehen sich dann Buxtehude und Leverkusen gegenüber. Das Finale wird am Sonntag um 16 Uhr in der erdgas-Arena in Riesa angeworfen. Wirklichen Druck hat aber keiner der Teilnehmer: "Wir können jetzt schon sagen: "Es war keine erfolglose Saison", erklärte beispielsweise Dirk Leun bereits vorab und fügte an: "Auch für Riesa muss man sich schließlich erst einmal qualifizieren." Ein Satz, der auch von einem der drei Konkurrenten stammen könnte.
Quelle: Homepage hbvf

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