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Donnerstag, 02.09.2010

„Ich bin kein Großstadtkind“

HSG Blomberg-Lippe: Ex-Welthandballerin Nadine Krause kommt immer besser in Fahrt – Sonntag Auftakt

Blomberg. 2006 war die heute 28-Jährige ausgezeichnet worden. Doch der Zugang der HSG Blomberg-Lippe blickt lieber nach vorne, am Sonntag ab 16 Uhr geht‘s zum Auftakt der Frauenhandball-Bundesliga in der Ulmenallee-Sporthalle gegen den VfL Sindelfingen.

„Es war eine Bestätigung für meine Leistung, aber es hat nichts verändert“, sagt Krause über die Welttrophäe, die nicht auf dem Nachttisch, sondern in ihrem Keller steht. Direkt gegenüber der HSG-Geschäftsstelle hat die Rückraumspielerin eine Wohnung bezogen. Die 170-fache Nationalspielerin scheint auf dem Boden geblieben zu sein und spürt aufgrund ihrer Vergangenheit „keinen zusätzlichen Druck“. Den mache sie sich höchstens selber: „Ich setzte mir eigene neue Ziele.“
Die Verpflichtung von Krause war der Transfer-Coup des lippischen Erstligisten. Mit der wohl bekanntesten deutschen Handballerin wollen sich die Lipper in der Spitzengruppe der Eliteklasse etablieren. „Es steckt Riesenpotenzial in der Mannschaft, aber die Vorbereitung verlief durch viele Verletzungen nicht nach Plan. Eigentlich bräuchten wir noch zwei bis drei Wochen“, weiß Krause. Die Ex-Kopenhagenerin hat sogar eine lange Leidenszeit hinter sich. Im November war sie an der Schulter operiert worden und konnte erst mit Vorbereitungsbeginn in Blomberg wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Dann warf eine Ellenbogenverletzung, die Krause sich beim Turnier in Altlandsberg zugezogen hatte, die ehemalige Welthandballerin zurück. Die HSG-Verantwortlichen befürchteten bereits eine weitere Operation, doch nachdem die Schwellung zurückgegangen war, sendete die medizinische Abteilung positive Signale. Beim letzten Testspiel gegen Dortmund (31:29) stand Krause erstmals wieder über 60 Minuten auf der Platte: „Dem Ellenbogen und der Schulter gehen es gut. Doch mir fehlt noch die letzte Umsetzung der Kraft, der alte Wurf ist noch nicht wieder da. Wie lange es noch dauern wird, bis ich wieder bei 100 Prozent bin, kann ich nicht sagen, aber es bessert sich stetig.“
Mit dem Wechsel nach Blomberg schließt sich für Krause ein Kreis. Von 1999 bis 2001 hatte sie bereits das Blomberger Trikot getragen, bevor sie über Bayer Leverkusen nach Kopenhagen wechselte. „Damals konnte mir nichts Besseres passieren, ich bekam viele Spielanteile in der Bundesliga. Gerade als junge Spielerin ist die Praxis wichtig“, weiß der prominente Zugang, der sich in Blomberg immer wohl gefühlt hat: „Ich bin kein Großstadtkind.“
Im baden-württembergischen Waiblingen wuchs Krause auf, meisterte in Blomberg ihr Abitur, um dann in Köln ein Studium (Betriebswirtschaftslehre) aufzunehmen. „Es ist eine Präsenzuni, aber seit meiner Zeit in Kopenhagen mache ich quasi ein Fernstudium. Im Januar 2011 möchte ich mit meiner Diplomarbeit beginnen“, sagt die Rechts- und Linkshänderin. Krause wirft mit rechts und schreibt mit links: „Ich kann gar nicht genau sagen, welche Dinge ich mit welcher Hand mache. Wenn wir beim Aufwärmen Fußball spielen, was mir riesigen Spaß bereitet, schieße ich mit links.“
Nadine Krause hat in ihrem Handball-Leben schon sehr viel erreicht: Pokalsieger, Europapokalsieger, Torschützenkönigin in Deutschland und Dänemark sowie bei der Weltmeisterschaft 2005. Doch Deutsche Meisterin ist sie noch nie geworden: „Klar ist das noch ein Ziel, aber dieses Jahr ist es dafür noch zu früh.“ Erst nach dem ersten nationalen Titel könnte sich Krause sagen: „Ich bin eine Handballerin, die alles (erreicht) hat.“

Seiffert Kapitän

Wenige Tage vor Saisonstart hat Trainer André Fuhr Michaela Seiffert zur Spielführerin bestimmt. Die Allrounderin, die bereits in der vergangenen Serie das Team angeführt hatte, läuft gegen Sindelfinden am Sonntag ab 16 Uhr als Erste auf. „Am Dienstag hat ,Seiffe‘ erstmals nach ihrer Verletzung wieder trainiert, ihr Einsatz ist nicht gefährdet“, so Fuhr. Der Coach sah „keinen Grund, etwas zu ändern“. Auch Nadine Krause sei für diese Rolle „prädestiniert“ und fungiert als Stellvertreterin. Einen Mannschaftsrat gibt es nicht mehr. Krause hat sich „noch nie“ über das Kapitänsamt Gedanken gemacht: „Der Stellenwert für die Mannschaft definiert sich nicht über die Binde.“ Wichtig sei ihr hingegen die Trikot-Nummer 13: „Ich hatte sie damals schon im zweiten Jahr in Blomberg, nur in Kopenhagen trug ich eine Spielzeit die 22. Die 13 gehört zu mir dazu.“(slu)

Quelle: Lippische Landes-Zeitung

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