Von Blomberg nach ganz oben
Blomberg. Von Blomberg nach ganz oben: Nadine Krause (25), die in diesem Sommer nach Dänemark wechselt und von 1999 bis 2001 im Lipperland auf Torejagd ging, wurde vor Kurzem zur Welthandballerin des Jahres gekürt.
Sie ist das prominenteste Beispiel der erfolgreichen Jugendarbeit bei der HSG Blomberg-Lippe.
Seit 15 Jahren gibt es ein Teil-, seit vier Jahren ein Vollinternat im lippischen Osten, das inzwischen neun Plätze bietet. Die derzeit acht Bewohnerinnen zwischen 16 und 19 Jahren lassen sich nicht - wie andere junge Frauen - von Mama die Wäsche waschen oder bekochen. Auch Feten sind die Ausnahme. Nein, fern vom Elternhaus bilden der Handball und die schulische Ausbildung den Lebensschwerpunkt.
"Die Spielerinnen verzichten auf viel, aber es lohnt sich. Die Erfolge sind es, die langfristig in Erinnerung bleiben", sagt Trainer André Fuhr.
Bestes Beispiel ist das Final-Four um die Deutsche Jugendmeisterschaft, das an diesem Wochenende in den Blomberger Ulmenallee-Sporthallen ausgetragen wird. Dabei sind die Lipperinnen als Gastgeber mit der weiblichen A- und B-Jugend vertreten.
Sieben Bewohner der drei Wohngemeinschaften, die nur einige hundert Meter von der Sporthalle und dem Schulzentrum liegen, sind in den beiden Teams vertreten und streben natürlich die Titel an. "Wir träumen davon, das Double zu schaffen", sagen Kim Berndt (16) und Inga Lehnhoff (17) unisono.
Beide stehen als einzige Internatsschüler sowohl bei der A-, als auch bei der B-Jugend im Kader.
Alle Bewohner haben das Ziel, sich für höhere Aufgaben ausbilden zu lassen. In der abgelaufenen Saison bekamen mit Melanie Herrmann (17), Nastja Antonewitch (17), Stella Kramen (18) und Charlotte Koch (19) vier Spielerinnen sogar Einsatzzeiten in der Bundesliga-Mannschaft und hatten somit Anteil daran, dass der Klassenerhalt in der höchsten deutschen Spielklasse geschafft wurde. Der Rest möchte dem Quartett bald folgen.
"Mir gefällt es bestens im Internat. Ich habe alles richtig gemacht", blickt Melanie Herrmann zurück. Sie kam vor zwei Jahren aus Ansbach (Bayern) nach Lippe und schaffte hier neben dem Sprung ins Bundesliga-Team auch den Sprung aufs Gymnasium. "An der Hauptschule habe ich meinen Q-Vermerk geschafft", erzählt die 17-Jährige.
Neben den Spielen am Wochenende stehen fünf bis sechs Trainingseinheiten für die WG-lerinnen jede Woche auf dem Programm. Dass die schulische Ausbildung nicht zu kurz kommt, darauf achten mit Karin Leidt und Dagmar Meinberg zwei erfahrene Mütter. "Wir sind die Ersatzeltern", berichtet Dagmar Meinberg mit einem Schmunzeln. "Wir kümmern uns um Arztbesuche, Elternsprechtage und organisierten mit den Mädels die Einkäufe. Nur zweimal in der Woche kochen wir für die acht. Wir sind sehr stolz auf die Mädels. Toll, wie sie ihren Alltag managen, schlaflose Nächte bereiten sie mir nicht", betont Leidt.
Trotz Schule und Handball bleibt noch immer etwas Freizeit. "Die verbringen wir mal zusammen oder mal mit anderen Freunden", erzählt Nastja Antonewitch. Gibts denn auch mal Streitigkeiten oder Heimweh? "Natürlich", so Inga Lehnhoff, "aber Differenzen klären wir meistens untereinander. Diese Dinge sind schnell vergessen" Und beim Heimweh helfe die Gemeinschaft, sagt Christina Pulvermacher (19): "Du bist hier nie alleine." Und wenn es nach der Bundesliga irgendwann sogar die Fußstapfen von Nadine Krause sein sollten, hätte mit Sicherheit niemand etwas dagegen.
Von Sebastian Lucas
Quelle: Lippische Landeszeitung 22.06.2007
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